Wolle vom Schaf

“Würde eines Tages berichtet, dass eine Textilfaser entdeckt worden sei, die unter freiem Himmel oder in einfachen Gebäuden mit geringem Energieverbrauch und ohne gefährliche Abfallprodukte erzeugt werden kann, dazu noch in verschiedenen Feinheiten und Längen, unser Interesse wäre geweckt. Würde weiter bekannt, die Faser sei leicht zu veredeln, zu färben und mit anderen Fasern zu mischen, sei giftfrei und hautfreundlich, elastisch, lärmdämmend, wärme- und feuchtigkeitsausgleichend, schmutz- und wasser-abstoßend, schwer entflammbar, leicht zu reinigen und fast knitterfrei, wiederverwendbar und hundertprozentig biologisch abbaubar, welchen Namen würden wir dieser Faser geben? Wahrscheinlich würde man von einer Wunderfaser sprechen.” (Kerstin Gustafsson und Alan Waller)

Fasern und Stoffe … gibt es überhaupt eine ökologische Lösung?

Bei Plastik sparen geht es diesen Monat um die “Plastik in unserer Kleidung”. Es ist logisch: ich will keine Kunstfasern und doch kann man sie kaum noch vermeiden. Ersatzstoffe aus Zellulose, wie Viskose, Modal usw. sind für mich, durch die aufwändige Verarbeitung auch nicht besser. Schafwolle, vom Schäfer “nebenan” ist mein eigenes bevorzugtes Material, aber kann Kleidung in Deutschland eigentlich ökologisch vertretbar sein? “Fasern und Stoffe … gibt es überhaupt eine ökologische Lösung?” weiterlesen

Von Fasern, Farben und Fäden (Ulrike Bogdan) – Auszug

Hier ein Auszug aus dem Buch “Von Fasern, Farben und Fäden” von Ulrike Bogdan – ich finden den Text sehr interessant für uns Färberlinge – Am Ende des Textes der Link zur Website, wo Ihr das Buch kaufen könnt.

… Gefärbt wird, indem sich Farbmoleküle an die Fasermoleküle anhängen und dort bleiben.
Bei Proteinfasern geschieht das über Wasserstoffbrücken und Van-der-Waals-Kräfte, die Fasern und die Farben ziehen sich quasi magnetisch an. Oder anders ausgedrückt: Bringt man Wolle und Naturfarbstoffe zusammen in einen Topf, gehen sie automatisch eine Verbindung ein, sie können gar nicht anders. Diese Bindung ist mittelmäßig bis brauchbar gut haltbar, und ohne weiteres ohne Beize zu erreichen.

Bei Cellulosefasern passiert das Färben auch über Wasserstoffbrücken, aber Cellulosefasern haben nicht diese magnetische Bindungsmöglichkeit. Dass bedeutet, dass zwar die Farben sich an die Fasern anhängen, aber sie eigentlich nichts dort hält, was insbesondere zu einem leichten Auswaschen der Farbe führt. Denn wenn die Fasern nass werden, vergrößern sich die Fasermoleküle, die Farben verlieren den Halt und verschwinden im Wasser.

Um die Farbaufnahme und Haltbarkeit von Färbungen zu verbessern, kommen Beizen ins Spiel.
Im Fall von Proteinfasern führt die Beize dazu, dass sich größere Molekülkomplexe zwischen den Metallionen, den Fasermolekülen und den Farbmolekülen bilden. Dieser Beizmittel-Farbstoff-Faser-Komplex bildet einen größeren Molekülklumpen, der vor Auswaschen schützt und zudem durch die größere Oberfläche das Licht anders reflektiert, weswegen die Farben leuchtender aussehen.
Cellulosefasern wiederum haben nicht diese natürliche Affinität dazu sich mit überhaupt irgendetwas zu verbinden. Sie müssen mühselig davon überzeugt werden, welch großartige Idee es nun wäre, mit den Farben eine Verbindung einzugehen. Leider wollen sie nicht einmal ohne Überredung eine Verbindung mit den brückenbildenden Metallionen der Beize eingehen.
Weswegen hier Soda bzw. eine andere Lauge ins Spiel kommt. Das Auskochen der Cellulosefasern in Soda vor dem Beizen hilft auch dabei, dass sich beim späteren Beizen schwer wasserlösliche Verbindungen bilden, die in den Cellulosemolekülen bestehen bleiben. Die Farbstoffe legen sich dann an diese schwer löslichen Beize-Soda-Faser-Verbindungen an.

Beizen basierend auf Aluminium (in unterschiedlichen Zusammensetzungen) werden nachweislich seit weit über 2.000 Jahren verwendet. Allerdings beweist die Verwendung des Wortes alumen, el-shab, alaun und alle seine Abwandlungen nicht, dass auch immer derselbe Stoff damit gemeint war. Alaun kommt natürlich in Form von Kaliumaluminiumsulfat in Wüsten und in der Nähe von aktiven Vulkanen vor. Dann gibt es noch Ammoniumaluminiumsulfat, Alunit, Alunogen (Aluminiumsulfathydrat) und Halotrichit (Eisenaluminiumsulfat, weswegen es nicht farbneutral ist). Alles natürlich vorkommende Alaune.

Essigsäure verfügt nicht über die notwendigen Moleküle, um diese Verbindung einzugehen. Wir kennen Essig als Fixierer vom Färben mit synthetischen Farben. Hier ist er aber der Fixierer für die synthetischen Farbstoffe, d.h. mit den Farbstoffen passiert etwas, aber nicht mit den Fasern. Im Gegensatz zu Metallbeizen, bei denen etwas mit den Fasern passiert. …

Und hier könnt Ihr das Buch kaufen: http://www.nemo-ignorat.de/publikationen/ (ja, ist Gratiswerbung – finde das Buch einfach toll)

Viel Spaß beim Lesen und Lernen!!!